Mittwoch, 30. September 2015

Ich tanze indisch



Wer mich kennt, weiß dass ich eigentlich ein ziemlicher Tanzmuffel bin. Ich habe es mir aber trotzdem nicht nehmen lassen, zusammen mit einigen Schülern und den Lehrern unserer Schule, an einem Tanzwettbewerb in Purnea teilzunehmen. Zwei Wochen im Voraus haben wir begonnen, jeden Nachmittag die Lieder und die Tanzschritte bis zur Erschöpfung einzuüben. Die Lieder konnte ich am Ende zumindest mitsummen. Dafür lief der Tanz nicht schlecht. Den kann man aber nicht mit einem ähnlichen Tanz aus Deutschland oder Europa vergleichen, denn er wird hauptsächlich von Tribals, also den ersten Bewohnern Indiens, getanzt. Hand in Hand oder an den Schultern fassend steht man in der Reihe und läuft im Takt nach rechts oder links. Dabei macht man immer wieder andere Schritte und Bewegungen mit den Beinen. Klingt eigentlich gar nicht so spannend, wenn man es beschreibt, aber es ist wirklich anspruchsvoll, da der ganze Körper in Bewegung ist. Es ist sogar wichtig den Kopf mit in die richtige Richtung zu bewegen.
Am letzten Tag vor unserem großen Auftritt, haben wir Haarschmuck, Ketten und andere Accessoires gebastelt, die wir dann zur Tanzvorführung getragen haben. Aus altem Geschenkpapier wurden Ohrringe für die Mädchen gebastelt. Oder Ketten aus, in Alufolie eingewickelten, Kernen. Getanzt wurde selbstverständlich barfuß und die Mädchen in Sari und wir Jungs in einer traditionellen Männertracht.  


Am Tag der Aufführung sind wir nach dem Mittagessen vom Schulbus der St. Peter’s Schule abgeholt worden. Eine Stunde zuvor, stand noch nicht fest, wie alle, Schüler und Lehrer, in die Stadt kommen sollten. Sister Manisha hatte dann aber doch noch auf den letzten Drücker den Bus der Hindi-Medium-School organisieren können. Als dann auch die letzten fertig angezogen im Bus saßen ging es los. 

Zu dem Tanzwettbewerb wurden noch weitere Schulen, Dörfer und Gemeinden eingeladen. Insgesamt traten zehn Gruppen an, die größtenteils zu denselben Liedern tanzten. Wir waren an siebter Stelle dran. Begleitet wurden wir von vier Trommlern, die mit uns im Voraus jeden Tag geprobt hatten. Als also die Trommeln angefangen haben zu schlagen ging es ab auf die Tanzfläche. Das war ein sandiger Kreis in der Mitte des Schulkomplexes der St. Peter’s Schule. Wir sangen, beziehungsweise ich summte die Lieder und tanzte die Tanzschritte, die mir mittlerweile schon automatisch von der Hand gingen. Zwanzig Minuten später sind wir nacheinander schweißgebadet und unter tobendem Applaus von der Bühne gegangen. Es hat letzten Endes hat sogar für den dritten Platz gereicht. Hoffentlich nicht nur wegen der Internationalität unserer Tanzgruppe, die bei den Zuschauern schon für Verwunderung gesorgt haben musste. Mit unserem Preis im Schlepptau ging es dann im Bus zurück nach Baghmara, wo wir weiter gefeiert und getanzt haben.

An die „beruhigenden“ Worte, die Sister Manisha, Antonia und mir, vor dem Tanz mit auf den Weg gegeben hatte, werde ich mich noch lange erinnern: 
Alle werden auf euch beide schauen, also tanzt gut.

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